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Der Hofzug König Ludwig II. von Bayern

Verantwortlicher Autor: Michael Fuchs Nürnberg, 08.09.2020, 12:07 Uhr
Presse-Ressort von: Michael Fuchs Berlin Bericht 7597x gelesen
Hofzug König Ludwig II. von Bayern
Hofzug König Ludwig II. von Bayern  Bild: Michael Fuchs

Nürnberg [ENA] Seit über 90 Jahren stehen die beiden letzten Waggons vom ehemaligen Hofzug König Ludwig II. von Bayern im Nürnberger Museum. Das DB-Museum hat ein Heft von Ursula Bartelsheim herausgegeben, das den Hofzug und seine Geschichte darstellt. Es lohnt sich, einen Blick hinein zu werfen!

Seit über 90 Jahren stehen die beiden letzten Waggons vom ehemaligen Hofzug König Ludwig II. von Bayern im Museum und seit 1925 werden sie in verschiedenen Gebäuden ausgestellt. Erstmals ist jetzt ein Heft des DB-Museums in Nürnberg erschienen, das, als Band 1 in der Reihe „Objektgeschichten aus dem DB-Museum“, ausschließlich den Hofzug und seine Geschichte vorstellen will. Entgegen der Erwartung, Informationen über den gesamten Hofzug zu erhalten, konzentriert sich die Autorin Ursula Bartelsheim auf die beiden im Museum befindlichen Wagen. Das Heft ist kurz und gut zu lesen und enthält viele Abbildungen.

DB Museum in Nürnberg

Das Eisenbahnmuseum, in dem sich die beiden Wagen befinden, wurde 1899 gegründet, das Gebäude 1925 errichtet. Die beiden übrig gebliebenen Wagen des ehemaligen Hofzugs König Ludwig II. (1845-1886) zählen zu den Glanzlichtern der Fahrzeugsammlung des Museums. Schon mit dem Ende der bayerischen Monarchie wurden diese beiden Wagen 1918/19 an das damalige Verkehrsmuseum übergeben, aber erst in dem neuen Gebäude öffentlich ausgestellt. In den 1950er Jahren wurden die Wagen bzw. deren Ausstattung nach Archiv-Unterlagen komplett rekonstruiert und haben daher wenig Gebrauchsspuren.

DB-Museum in Nürnberg
Der Hofzug vor der Neuschwanstein-Kulisse
Der Salonwagen (Modell)

Die bayerischen Hofzüge

Nach der einführenden Bau- und Nutzungs-Geschichte verschiedener Wagen muss die Autorin bereits berichten, dass kein einziges Foto aus der Zeit Ludwigs überliefert ist, dass das erste Wagenverzeichnis mit Skizzen über Zusammenstellung der Wagen von 1913 stammt und überhaupt genaue Angaben (wie z. B. das Baujahr der einzelnen Wagen) weithin unklar oder falsch überliefert sind. Dennoch weiß man, dass erste Veränderungen am Hofzug zu den ersten „Bauprojekten“ gehörten, die Ludwig 1864 nach der Thronbesteigung initiierte. Der teilweise offene Terrassenwagen wurde 1865 von Ludwig neu in Auftrag gegeben und war schon nach vier Monaten fertig.

Der Terrassenwagen des Hofzugs

Es fällt auf, dass es durchgängig wohl wenig schriftliche Quellen über Entstehungsgeschichte und den betrieblichen Einsatz gibt, was seltsam erscheint bei der sprichwörtlichen deutschen Korrektheit und Dokumentationswut, gerade bei der Sicherheitsfrage im Schienenverkehr. Die „herrscherlichen Pflichten (seien) zunehmend vernachlässigt“ worden, was auf Repräsentationspflichten noch zutreffen mag, nicht aber auf die tägliche Regierungsarbeit. Die von der Autorin angedeutete „wachsende Neigung, sich den Regierungsgeschäften zu entziehen“ dürfte spätestens seit 2004 mit Botzenhart widerlegt sein; seine Veröffentlichung dazu wird sogar von ihr als Quelle genannt.

Obwohl die Auswahl der beiden Hofzug-Wagen als Auftakt der Buch-Reihe sehr gut gewählt und das Heft auch insgesamt hübsch gemacht ist, scheint hier trotzdem eine Chance vertan worden zu sein. Das Heft ist eine gute Ergänzung zum Museumsbesuch oder eine einfache Erst-Information; für mehr Informationen ist aber der Griff zu weiterer Literatur (siehe unten) unumgänglich. Weitere Informationen zum Buch gibt es hier https://bit.ly/35fdX6s und weitere Berichte zu König Ludwig II. von Bayern gibt es auf www.Ludwigiana.de

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